Presseberichte: Leichlinger TV - Longericher SC

Spektakuläre Aufholjagd beschert eine Punkt

Elf Treffer in Durchgang zwei: David Hansen (Foto: Miserius)
Elf Treffer in Durchgang zwei: David Hansen (Foto: Miserius)

Das Drittligaderby zwischen dem Leichlinger TV und dem Longericher SC hat am Freitagabend alles gehalten, was man sich im Vorfeld davon versprochen hatte. Nach 60 Minuten voller Emotionen, Dramatik und einer spektakulären Aufholjagd des Gastgebers teilen sich die beiden Rivalen in einem hochklassigen Spiel am Ende mit 30:30 (12:18) die Punkte.
Es war ein Abend im Ostermann-Forum, den die rund 500 Zuschauer so schnell nicht vergessen werden. Wahrscheinlich auch nicht die Spieler beiden Mannschaften, die in nur einer Partie alle Höhen und Tiefen ihres Sports durchleben mussten. Im Tief steckten zunächst die Leichlinger, bei denen kaum etwas zusammen lief. In der Abwehr verloren die Männer von Trainer Frank Lorenzet nahezu jeden Zweikampf. Dazu war die Rückwärtsbewegung nach Ballverlusten, von denen es jede Menge gab, mehr als mangelhaft.
Beim Gast lief dagegen alles ganz leicht. Longerich zog auf 18:8 (27.) davon, die Vorentscheidung schien in einer unerwartet einseitigen Begegnung zu diesem Zeitpunkt gefallen. Lorenzet hatte mittlerweile seine Abwehrformation von 6:0 auf 5:1 verändert und im Angriff hatte Lukas Schulz als Regisseur für Valdas Novickis übernommen, der einen ganz schwarzen Tag erwischt hatte. Schulz und David Kreckler brachten mit jeweils zwei Treffern den LTV zur Pause noch auf 12:18 heran und knipsten damit das Licht am Tunnelende für den Gastgeber wieder an.
Nach der Pause machte der LTV weiter Dampf. Während der überragende David Hansen und Tim Menzlaff nun nach Belieben aus dem Rückraum trafen, waren es jetzt die Longericher, die in ein tiefes spielerisches Loch fielen. Leichlingen glich zum 23:23 (45.) aus und ging beim 26:25 (50.) erstmalig in Führung. Allerdings hatte die Aufholjagd Kraft gekostet und die Gäste hatten sich in der Schlussphase wieder stabilisiert. In der letzten Spielminute warf der LTV beim Stand von 30:30 gleich zweimal den Ball weg. Novickis eröffnete mit einem Pass ins Seitenaus dem Gegner 15 Sekunden vor Schluss die große Möglichkeit zum Siegtreffer. Doch Longerich nahm das Geschenk nicht an und beendete das Spiel ebenfalls mit einem technischen Fehler. „Natürlich bin ich mit der Leistung der ersten Halbzeit nicht einverstanden. Allerdings gibt es auch wenige Spiele, in denen eine Mannschaft nach einem 10-Tore-Rückstand noch einen Punkt holt“,  war Lorenzet am Ende versöhnt.

LTV: Stecken, Mundhenk; Hansen (11), Menzlaff (6), Kreckler (6/3), L. Schulz (4), Munkel, Novickis, Rachow (alle 1), Lange, Feuchtmann Perez, M. Schulz, Hertlein

Quelle: Bergischer Volksbote Burscheid

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Zwei unterschiedliche Halbzeiten

Das Derby am Freitagabend zwischen dem Leichlinger TV und dem Longericher SC brachte an Emotionen alles mit, was Sport so reizvoll machen kann: Sorge, Verzweiflung, Wut, Entschlossenheit, Zuversicht, Freude, Erleichterung,.. Auf beiden Seiten gab es diese Emotionen zu verfolgen; mal mehr, mal weniger ausgeprägt und gelebt. Nach 60 turbulenten Minuten vor fast 500 Zuschauern hieß es am Ende 30:30 (12:18). In der ersten Hälfte durchlebten die Leichlinger inklusive ihres Coaches Frank Lorenzet vor allem die negative Emotionsskala. Es lief lange Zeit überhaupt nichts zusammen im Spiel der Pirates. Fehler ohne Ende in allen Bereichen ließen die Gäste  über 6:3 (9.), 13:6 (18.) auf 18:8 (27.) Minute davon ziehen. Es deutete vieles auf ein Debakel für die völlig aus dem Rahmen fallenden Gastgeber hin. Doch nach Umstellungen des Trainers meldete sich der LTV mit vier Treffern in Folge (zwei Mal Lukas Schuz und zwei Mal David Kreckler) noch vor der Pause zurück; es ging "nur noch" mit einem 12:18-Rückstand in die Kabine. Dort machte Lorenzet seine Jungs noch mal richtig heiß und so kamen die Leichlinger auch zurück aufs Feld, Vor allem David Hansen war nun nicht mehr zu stoppen: Ef Mal schlug der Rückraumschütze in den zweiten 30 Minuten zu, unterstützt vom nun ebenfalls auftrumpfenden Tim Menzlaff. Knapp 16 Minuten waren in der zweiten Hälfte gspielt, da glich der LTV durch Hansen zum 23:23 aus; Leichlingens Anhänger bekamen wieder Oberhand. David Hansen markierte in der 50. Minute mit seinem Treffer zum 26.25 auch die erste Führung seines Truppe seit der Anfangsphase. Fortan deklarierte sich die Schlussphase als offener Schlagabtausch, den jedes der beiden Teams hätte für sich entscheiden können. Aber wahrscheinlich war nach den zwei so unterschiedlichen Hälften das Remis die beste und sauberste Lösung. "Am Ende bin ich zufrieden mit dem Ergebnis, auch wenn wir noch Chancen zum Sieg hatten. Man muss aber auch sehen, dass Longerich den letzten Angriff der Partie besaß, ihn aber ebenso wenig nutzen konnte. Zudem ist es auch nicht selbstverständlich, dass man nach einem 10-Tore-Rückstand noch mal zurück kommt. Die Moral in der Mannschaft stimmt, doch ich frage mich natürlich, warum wir nicht von Anfang an so spielen, wie es in der zweiten Hälfte der Fall war", fasste Frank Lorenzet zusammen.

 
Leichlinger TV: Stecken, Mundhenk; Hansen (11), Menzlaff (6), Kreckler (6/3), L. Schulz (4), Munkel (1), Novickis (1), Rachow (1), Feuchtmann, Hertlein, Lange, M. Schulz 

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LTV findet erst nach der Pause ins Spiel

Geschichten über den Leichlinger TV handeln stets auch von einem Klub, der immer wieder aufsteht. Am Freitagabend lag der Handball-Drittligist mal wieder am Boden, übel vorgeführt vom Lokalrivalen Longericher SC. Nach nicht einmal 20 Minuten drehte sich Torhüter Mathis Stecken schon entnervt um und schaute auf die Anzeigetafel - wie lange würde er dieses Spiel noch durchstehen müssen? Da lag der LTV mit sieben Toren hinten und sollte zwischenzeitlich sogar mit zehn Treffern abgeschlagen sein.
Doch am Ende konnte selbst Stecken wieder lachen. Das 30:30 (12:18) zum Schlusspfiff war letztlich gerecht. In der zweiten Spielhälfte waren nicht nur die Leichlinger Handballer wieder aufgestanden, sondern auch zwei seiner Spieler, die es zuletzt alles andere als leicht hatten.
Da wäre zunächst David Hansen, am Ende der überragende Mann und beste Schütze. "Ich habe in der ersten Hälfte keinen Wurf getroffen", sagte der Rückraumspieler selbstkritisch. Auch in der Abwehr habe er "ein paar Mal daneben gelangt". Das ist untypisch für den 26 Jahre alten Hansen, der auch an schlechten Tagen zuverlässig trifft. Doch zuletzt lief es nicht mehr, so wie im gesamten Team. Besonders seine gefürchteten Abschlüsse aus dem Rückraum waren nicht zu sehen. Mit dem Seitenwechsel erlebte Hansen seine Wiederauferstehung. Elfmal (!) warf er den Ball ins Netz, in den 30 Minuten zuvor gelang ihm das nicht einmal. "Mit jedem Wurf stieg das Selbstvertrauen", sagte er. Irgendwann habe er sich die Würfe einfach genommen - "ohne groß nachzudenken."
Warme Worte kassierte Hansen auch von seinen Teamkollegen. "Er hat richtig gut gespielt. Er hat halt alles getroffen", lobte Lukas Schulz. Der 23-Jährige ist der zweite Leichlinger, der erst nicht so recht in die Mannschaft fand. Bisher gehörte er zu den Zugängen, die eher untertauchten. Bei den wenigen Einsatzminuten wirkte Schulz wie ein Fremdkörper. Zuletzt fehlte er verletzt. "Für mich ist die Saison bisher nicht so gut gelaufen. Ich hoffe, dass es nun von Spiel zu Spiel besser wird", betonte Schulz.
Die Tendenz ist jedenfalls da. Vor allem die Aufgabe als Spielgestalter blieb nach dem Weggang von Kapitän Tim Hilger zuletzt unzureichend erfüllt. Schulz deutete an, diese Rolle besetzen zu können. Und schließlich dürfte er auch die zuletzt komplett zum Erliegen gekommene linke Angriffsseite beleben. "Ich versuche natürlich zu gucken, dass wir nicht nur rechtslastig sind", sagt Schulz. "Das ist mittlerweile natürlich jedem aufgefallen. Man muss aber auch sagen, dass David Kreckler das überragend gespielt hat in den ersten Spielen. Von daher ist es klar, dass wir versucht haben, ihn einzusetzen. Aber ich glaube, wir haben noch Potenzial auf der linken Seite." Es scheint, als wolle Schulz mit dem Reanimationsprogramm gleich weitermachen.
Was bleibt, ist die ewige LTV-Frage: Wieso nicht gleich so? Mitunter drängt sich der Eindruck auf, dieser Klub braucht die Katastrophe gleichsam wie den Erfolg. "Wir haben versucht, die Emotionen direkt auf die Platte zu kriegen", sagt Kreisläufer Hendrik Rachow. "Aber das hat nicht funktioniert - und die zweite Hälfte war dann das perfekte Beispiel dafür, wie es laufen kann."
Kein Wunder: Wer nicht regelmäßig am Boden liegt, kann auch nicht aufstehen.

LTV: Stecken - Rachow (1), Munkel (1), Lange, Hansen (11), Novickis (1), Feuchtmann, M. Schulz, Hertlein, Menzlaff (6), L. Schulz (4), Kreckler (6/3)

Quelle: Rheinische Post

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