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| Delitzsch meldet Insolvenz an! |
| Dienstag, den 20. Juli 2010 um 20:18 Uhr |
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Was gestern nur ein Gerücht war, hat sich heute bestätigt. Die Spielbetriebsgesellschaft (CSG) des Handball-Zweitligisten 1.SV Concordia Delitzsch hat beim Amtsgericht Leipzig Insolvenz angemeldet und gleichzeitig ein Insolvenzplanverfahren angestrengt. Das teilte der Verein, der die Lizenz für die kommende Spielzeit erst nach mehreren Anläufen bekommen hat, am Dienstag mit. "Wir wollen mit diesem Schritt einen sauberen Schnitt hinbekommen, den das deutsche Recht ermöglicht", sagte CSG-Geschäftsführer Volker Schmidt. Ziel sei es, die Zukunft des Spitzenhandballs in Delitzsch ohne die Altlasten in Angriff nehmen zu können. Die Verbindlichkeiten bei Concordia waren laut Vereinsangaben durch zu hohe Kosten und zu geringe Einnahmen in der Saison 2005/0006 entstanden, als die Mannschaft in der ersten Bundesliga spielte. Hinzu kam der Wegfall eines Hauptsponsors in der abgelaufenen Saison. Schon die letzte Saison war Delitzsch stets mit den Gehaltszahlungen in Rückstand, auch derzeit steht der Verein Presseberichten zu Folge bei seinen Spielern in der Kreide. Mit der im Vereinsnamen verbrieften Eintracht scheint es jedenfalls vorbei zu sein - Delitzsch ist derzeit eher Discordia als Concordia. Zumindest ein Teil der ausstehenden drei Monatsgehälter sei am Wochenende geflossen, berichtet die Leipziger Volkszeitung (LVZ). Der geplante Boykott des Trainingslagers und die offizielle Einreichung der Kündigungen von Spielern und Trainer Uwe Jungandreas konnte nach Informationen der LVZ gerade noch verhindert werden. Im diesjährigen Lizenzierungsverfahren war Concordia Delitzsch das größte Sorgenkind. Als einzigem Verein wurde den Sachsen die Lizenz für die kommende Spielzeit nicht erteilt. Der Zweitligist legte erfolgreich Einspruch ein, nachdem die Stadt ein Darlehen gewährte. In zweiter Instanz genehmigte die HBL Delitzsch Anfang Juni die Lizenz - allerdings erst nach Gewährung einer weiteren Frist zur Erfüllung von Bedingungen. "Der Beschwerde des 1. SV Concordia Delitzsch wurde teilweise stattgegeben. Der Zweitligist erhält die Lizenz lediglich unter der Voraussetzung, dass zu erfüllende Bedingungen bis zum 14. Juni 2010 nachgewiesen werden sowie unter weiteren Auflagen", so der Ligaverband in seiner Presseaussendung am 6. Juni.Mit Hochdruck arbeitete man in Delitzsch am Klassenerhalt, Buchprüfer und Steuerberater Helmut Pütz erstellte ein 15-seitiges Dossier für die HBL, die am Ende die Lizenz noch erteilte - auch aufgrund eines von der Stadt gewährten Darlehens. Das Geld ist allerdings noch nicht in vollem Umfang auf dem Konto der Sachsen. "Von den Bürgschaften für das städtische Darlehen in Höhe von 300.000 Euro ist bisher jedoch nur ein Bruchteil hinterlegt", berichtet die Leipziger Volkszeitung in ihrer Dienstags-Ausgabe und zitiert den Delitzscher Oberbürgermeister Manfred Wilde: "Wir können als Stadt das Darlehen nur in der Höhe herausgeben, wie die Bürgschaftssummen hinterlegt werden. So lautet der Stadtratsbeschluss." Ob die Gelder noch fließen scheint mit dem Einreichen des Insolvenzantrags mehr als fraglich, der Gesamtverein ist unterdessen von der Insolvenz der Betreibergesellschaft nicht betroffen. Der Wechsel der Betreibergesellschaft ist laut den Statuten der HBL in der laufenden Saison nicht möglich, mit einer neuen Gesellschaft hätte bereits der Antrag für das Lizenzierungsverfahren gestellt werden müssen. Die weiteren rechtlichen Konsequenzen erscheinen dabei offen, die Statuten der HBL sehen keinen zwingenden sofortigen Abstieg vor. TuSEM Essen hatte sich so beispielsweise mit einem Planinsolvenzverfahren über die Zeit gerettet und war mit einem neuen Betreiber in die nächste Saison gegangen. Allerdings würden die Gläubiger, in diesem Fall nach Medienberichten vor allem die Spieler mit ihren Gehältern, dabei vermutlich so gut wie leer ausgehen. Zudem würde der Verein bereits vor Saisonbeginn als Zwangsabsteiger der neuen Saison feststehen. Der Leichlinger TV wäre auch bei einem verspäteten Lizenzentzug bereit in der Zweiten Liga anzutreten. "Sollte Delitzsch nachträglich die Lizenz wieder entzogen werden, dann wären wir durch die vorige Entscheidung der Geschädigte", führt der Manager aus, der jedoch zur Eile mahnt. "Noch sind es fünf Wochen bis zum Saisonstart, noch kann man handeln." Hoffnung macht dem Absteiger dabei auch ein Blick in die Rechtsordnung: "In allen Verfahren sind Entscheidungen hinsichtlich spieltechnischer Folgerungen - z.B. Wiederholungsspiele, Herausgabe einer neuen Tabelle, Ermittlung der Auf- oder Absteiger - nur für die laufende Meisterschaftssaison oder die laufende Pokalrunde wirksam. Hat die neue Meisterschaftssaison oder die neue Pokalrunde bereits begonnen, sind spieltechnische Folgerungen aus einem Urteil nicht mehr möglich", erklärt § 9 der DHB-Rechtsordnung. Hierbei ist aber auch festzustellen, dass die Rechtsordnung eben nicht von dem Spieljahr, das gemäß der DHB-Spielordnung am 1. Juli bereits begonnen hat spricht, sondern sich auf die Spielsaison bezieht. Die DHB-Spielordnung (§ 9) erklärt: "Die Spielsaison beginnt für eine Mannschaft mit ihrem ersten Meisterschafts- oder ersten Pokalspiel."
Quelle: handball-world.com |