Presseberichte: Leichlinger TV - HSG Varel-Friesland

LTV feiert die Meisterschaft!

Die Champagnerkorken knallten! (Foto: Uwe Miserius)
Die Champagnerkorken knallten! (Foto: Uwe Miserius)

Die Drittligahandballer des Leichlinger TV sind am Ziel. Am Samstagabend besiegten die Pirates vor über 500 Zuschauern im Smidt Forum die HSG Varel-Friesland mit 40:27 (20:10) und sicherten sich damit einen Spieltag vor Saisonschluss die Westdeutsche Meisterschaft. Das noch anstehende Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten VfL Fredenbeck hat damit nur noch statistische Bedeutung.
Trainer und Manager Frank Lorenzet ,Vater des Erfolgs, war allerdings beim größten Triumph der Vereinsgeschichte nicht dabei. Nach dem unerwarteten Tod der LTV-Catering-Chefin Bettina Ditz, zu der Lorenzet auch engen persönlichen Kontakt hatte, trat für den Coach, der normalerweise für seinen Sport lebt, alles andere in den Hintergrund. Seinen Platz auf der Bank nahm der sportliche Koordinator Jens Buss ein. Auch die Zuschauer gedachten der Verstorbenen vor Spielbeginn mit einer Schweigeminute, die Mannschaft spielte mit Trauerflor.
Jetzt erst recht wollten die Leichlinger ihren Titel. Von der ersten Minute an war man konzentriert bei der Sache. Nicht eine einzige Führung gestattete der LTV den Gästen, die man mit 6:1 (7.) schnell hinter sich ließ. Die Offensive funktionierte gewohnt gut, den Unterschied machte diesmal eine gute Abwehrarbeit und ein überragender Ante Vukas zwischen den Pfosten aus.
So zog man Varel schnell den Zahn, zur Pause war der Vorsprung mit 20:10 schon deutlich. In der Kabine forderte Buss von seinen Spielern weitere zehn Minuten Vollgas, um den Sieg in trockene Tücher zu bringen und um anschließend alle Spieler umfangreich auf dem Feld am Erfolg teilhaben lassen zu können. Die Startformation tat ihm und sich selbst diesen Gefallen und schraubte den Vorsprung weiter nach oben. Beim 30:17 (42.) war dann die Vorentscheidung gefallen und die Meisterfeier konnte beginnen. „Das war eine überragende Mannschaftsleistung. Heute, wie auch über die ganze Saison, hat jeder seinen Beitrag zum Erfolg leisten können“, freute sich Buss. Nach der Party im Smidt Forum ließ die Meistermannschaft den Tag in Köln ausklingen. paa

LTV: Vukas, Bungart (ab 50.); Lange (10), Novickis (6), Kreckler (6/1), Hilger (4), Hansen (4), Padeken (3), Görigk, Lajnef, Kirfel (alle 2), Zechmeister (1), Reuland

Quelle: Bergischer Volksbote Burscheid
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Meister!

Kurz nachdem die Champagner-Korken geknallt hatten und der Hallenboden im Smidt-Forum allmählich zu kleben begann, fand Henning Padeken die wohl treffendsten Worte. "Wir blicken auf das Ganze heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge", sagte der Spieler des Handball-Drittligisten Leichlinger TV. Der Spitzenreiter war wenige Momente zuvor durch das 40:27 (20:10) gegen die HSG Varel-Friesland Meister geworden und feierte das standesgemäß. Ein unbestreitbar beklemmendes Gefühl schwang jedoch mit.
Der überraschende Tod von Bettina Ditz erschütterte das Leichlinger Umfeld am Donnerstagmorgen. Die "gute Seele" des Vereins und Chefin des Caterings verstarb im Alter von 49 Jahren und versetzte den LTV ausgerechnet vor dem Heimspiel, das den größten Erfolg der Leichlinger Clubgeschichte brachte, in tiefe Trauer. Nichts war wie sonst. Das wurde auch dadurch sichtbar, dass Leichlingens Coach Frank Lorenzet nicht in der Halle war. Er blieb dem Spiel aus persönlichen Gründen fern. Ditz und Lorenzet standen sich nahe.
Seine Spieler hatten es sich zur Aufgabe gemacht, für die Verstorbene und ihren Trainer zu spielen. Schon beim Einmarsch trugen die "Pirates" ein Banner mit der Aufschrift "Gemeinsam für Lori" mit auf das Feld. "Wir haben heute für ihn gekämpft", sagte Kapitän Tim Hilger nach dem Spiel gelöst. Die verstorbene Ditz würdigten die mit Trauerflor spielenden Akteure vor dem Beginn mit einer Schweigeminute.
Einfach wieder in den normalen Betrieb umzuschalten, war für die Zuschauer im folgenden Match nur schwer möglich. Den Spielern gelang dieses Kunststück hingegen umso besser. Eine von Beginn an topmotivierte Vorstellung ließ den Gästen aus Norddeutschland nicht den Hauch einer Chance. Teamkoordinator Jens Buss, der Lorenzet an der Linie vertrat, war begeistert: "Die Mannschaft hatte eine überragende Einstellung."
Mit einem bärenstarken Ante Vukas im Tor setzten sich die Gastgeber frühzeitig ab. "Unglücksrabe" Florian Goerigk setzte mit Treffer Nummer 40 den Schlusspunkt - und schuldet dem Team nun einen Kasten Bier. Er stand nach einer Saison voller Verletzungen endlich einige Minuten auf dem Feld und zeigte Ansprechendes. Die Kosten für den Gerstensaft sind daher wohl verschmerzbar.
"Es war super, dass wir alle Spieler noch einmal einsetzen konnten. Wir sind ein Team, das hat man heute gesehen", meinte Buss. Dieses Team hat den Titel nicht nur geholt, sondern verdient gewonnen. Zu souverän waren die Auftritte der Leichlinger Torproduzenten, die mit elf Treffern am kommenden Samstag, dem letzten Spieltag beim VfL Fredenbeck, die 1000-Tore-Marke knacken können. Das hat - wie das Spiel gegen den Zweiten und ärgsten Verfolger - aber nur statistischen Wert.
Spätestens als gegen Varel-Friesland die Schlussphase begann, waren auch die Leichlinger Fans in Jubelstimmung. Sie peitschten ihre Mannschaft mit Standing Ovations nach vorn. Als dann die Schlusssirene ertönte, lösten sich auch aufseiten der Spieler die Gefühle. Sie bejubelten ihren Triumph lautstark und tauchten in der Menge ab - Champagnerdusche inklusive. Diesen rein sportlichen Glücksmoment haben sich die "Pirates" nach einer sagenhaften Saison verdient. Leicht war dieser emotionale und ambivalente Abend allerdings für keinen der Beteiligten.

Quelle: Rheinische Post
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