Vorberichte: Leichlinger TV - SG Langenfeld

Handball-Derby zur ungünstigsten Zeit

Die Spielstätten in der 3. Liga West 2016/17 (Grafik: Frank Langen für RP)
Die Spielstätten in der 3. Liga West 2016/17 (Grafik: Frank Langen)

Frank Lorenzet atmet tief durch. Wenn der Trainer des Handball-Drittligisten Leichlinger TV über die SG Langenfeld spricht, verspürt er "größten Respekt". Seine Mannschaft empfängt den Aufsteiger morgen Abend (19.30 Uhr, Smidt-Forum) zum ersten Ligaspiel der neuen Drittliga-Saison - aus gleich mehreren Gründen ist das eine echte Herausforderung: "Langenfeld ist ein überragend starker Aufsteiger, die Halle wird voll sein, und wir sind personell geschwächt. Da müssen wir wirklich alles in die Waagschale werfen."
Das Duell zwischen den beiden Nachbarstädten findet zum ersten Mal in der 3. Liga statt. Der Grund: Bisher ließ sich Gegner Langenfeld einfach nicht in der dritthöchsten Spielklasse blicken. Für die Langenfelder, die sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich steigerten, ist der Sprung in Liga drei eine Premiere und zugleich der größte sportliche Erfolg der Geschichte. Nur der Gewinn des deutschen Amateurpokals im Mai könnte den Aufstieg des Niederrheinmeisters wohl noch toppen.
Die SGL reitet zweifellos auf einer Euphoriewelle. Auch der Sieg über Zweitligist TuSEM Essen im DHB-Pokal schadete dem Selbstvertrauen der Langenfelder sicher nicht. "Die haben jetzt natürlich eine enorm breite Brust", glaubt auch Lorenzet, für dessen Team genau das nicht gilt. Zwar ist seine Truppe spielerisch auf praktisch allen Positionen stärker besetzt, doch die aktuelle Form der Mannschaft ist schwer einzuschätzen. Die Leichlinger kämpfen unverändert mit Personalsorgen und können im Training abgesehen von körperlicher Arbeit nichts unternehmen. Marcus Bouali (Kreuzbandriss) und Carsten Lange (Muskelfaserriss) fallen für das Match sicher aus. Hinter dem Einsatz von Karol Zechmeister steht zudem "ein großes Fragezeichen", sagt Lorenzet und führt ironisch an: "Wenn noch etwas passiert, müssen wir fast nicht antreten."
Auf Seiten der Gäste ist die Situation ähnlich und doch ganz anders. SGL-Trainer Dennis Werkmeister musste zuletzt auf sechs Spieler verzichten. Der feine Unterschied aber ist: Der Kader der SGL ist deutlich breiter aufgestellt.
Hinzukommt, dass wohl kaum ein Langenfelder Spieler die Drittliga-Premiere gerne verpassen will. "Wir bereiten uns akribisch auf den Gegner vor", betont Werkmeister, "wir sind der krasse Außenseiter. Da will ich mir nicht vorwerfen lassen, zuvor nicht alles unternommen zu haben."
Mit Sicherheit nimmt der Langenfelder Trainer auch Tim Menzlaff zur Seite, um mit ihm über Leichlingen zu sprechen. Der Abwehrchef wechselte vor zwei Jahren aus der Blütenstadt zur SGL, damals ein ziemlicher Transfercoup für die Langenfelder. "Er spielt eine überragende Rolle in der Abwehr, wie er es schon damals auch bei uns getan hat", sagt Lorenzet.
Überhaupt trifft mit Langenfeld eine robuste Abwehr auf einen turbulenten Leichlinger Angriff. Während die Defensivkunst die SGL zuletzt auszeichnete, waren es auf Seiten der "Pirates" über 1000 geworfene Tore. Die Zuschauer dürfen gespannt sein, welche dieser Qualitäten sich an diesem Samstagabend durchsetzt.

Quelle: Rheinische Post
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"Wo wir uns einreihen können, bleibt abzuwarten"

In der letzten Saison war der Leichlinger TV in der 3. Liga West das Maß aller Dinge. Nach einer spannenden Spielzeit sicherte sich das Team von Frank Lorenzet mit einer neuen Bestmarke die Meisterschaft: Mehr als 1000 Mal hatten die Pirates das verharzte Leder an den gegnerischen Keepern vorbei in deren Gehäuse bugsiert. Offensivstark waren die Mannschaften von Lorenzet immer, das wird sich auch in der am Samstag anlaufenden Meisterschaftsrunde nicht ändern. Ob sich der LTV ähnlich gut platzieren wird, vielleicht sogar seinen Titel verteidigen kann; das ist hingegen reine Kaffeesatzleserei.
Die Leichlinger werden geplagt von großen personellen Sorgen, die sich bis zum Auftakt am Samstag (19.30 Uhr, Smidt-Forum) im Derby gegen die SG Langenfeld nicht verringern werden. "So etwas habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt", stellt Leichlingens Trainer fest. "Wir haben oftmals nur drei gegen drei in der Vorbereitung spielen können; nie waren wir komplett. Eine Vorbereitung im eigentlichen Sinn hatten wir daher nicht", so Lorenzet. Dennoch hätten die Pirates am vergangenen Wochenende im DHB-Pokal gegen den Zweitligisten Bietigheim fast gewonnen; die spielerische Qualität ist also nach wie vor vorhanden. Es fehlen aber die Alternativen, wenn es zu Verletzungen kommt, die Kraft bei den nun zu ausgedehnten Einsätzen gezwungenen anderen Akteuren nachlässt oder auch mal taktische Wechsel vorgenommen werden sollen. Frank Lorenzet hat da derzeit kaum Spielraum, kurzfristige Verpflichtungen sind für die nächsten Tage nicht zu erwarten.
Überhaupt gestaltete sich die Suche nach Verstärkungen schwer: Fünf Abgängen stehen nur drei Zugänge gegenüber, von denen einer - Marcus Bouali - mit einer Knieverletzung noch lange ausfallen wird. "Es gibt zu viel Konkurrenz in der näheren Umgebung, das macht es immer schwerer, an gute Akteure heran zu kommen", erklärt der Coach.
Zu dieser Konkurrenz zählt auch Aufsteiger SG Langenfeld ,"die seit langer Zeit einen richtigen Lauf hat. Das wird eine sehr unangenehme Aufgabe, die wir aber natürlich trotzdem positiv lösen wollen. Insgesamt erwarte ich eine Saison mit einer sehr ausgeglichenen Liga. Mit Hagen gibt es einen Top-Favoriten, danach gibt es etliche Teams, die oben mitspielen können; wo wir uns einreihen können, bleibt abzuwarten", will der Trainer des LTV auch vor dieser Saison keine Prognose für seine Truppe abgeben.

Quelle: Kölner Stadtanzeiger
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