Vorberichte: Neusser HV - Leichlinger TV

Ousse Lajnef - die treue Seele der LTV-Handballer

Ousse Lajnef (Foto: Uwe Miserius/Rheinische Post)
Ousse Lajnef (Foto: Uwe Miserius/Rheinische Post)

Im Dezember ging Oussama Lajnef freiwillig dorthin, wo auf dem Papier nur noch wenig zu machen war. Der eigentliche Stammspieler des Handball-Drittligisten Leichlinger TV wechselte runter in die zweite Mannschaft, um die Reserve nach dem tiefen Fall in die Kreisliga vor dem nächsten Abstieg in die Kreisklasse zu bewahren. Es gab sicher schon einfachere Aufgaben, denn zur Hälfte der Saison lag das junge Team bereits abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Für Lajnef aber war der Schritt eine Herzensangelegenheit. "Der Verein war schließlich meine erste Familie, als ich nach Deutschland kam", sagt der Tunesier. In seinem Heimatland aufgewachsen, verschlug es den ehemaligen Nationalspieler nach Frankreich, wo er unter anderem in der zweiten und dritten Liga aktiv war. "Es war aber schon immer mein Wunsch, in Deutschland zu spielen", sagt der 28 Jahre alte Rechtsaußen.
Das Schicksal verschlug ihn an die Sporthochschule und damit nach Leichlingen, wo er seit 2010 ein fester Bestandteil des ersten Teams - und des Vereins ist. "Ousse identifiziert sich total mit dem LTV. So eine treue Seele wie ihn gibt es heutzutage leider nur noch selten", sagt Frank Lorenzet, der seither Lajnefs Coach in Leichlingen ist. Seit seinem Wechsel in die Blütenstadt übernahm der laut Lorenzet "sehr intelligente" Student mehrere Jugendmannschaften und ist deshalb nicht nur eines der bekanntesten Gesichter im Verein, sondern auch "der Kumpel von allen", wie er selbst sagt.
Einige Spieler aus der Jugend sind jetzt im zweiten Team zu finden. Für Lajnef, den alle nur "Ousse" nennen, ein Grund mehr, anzupacken und mitzuhelfen. Nun, einen Spieltag vor Saisonende, hat der LTV II zumindest eine theoretische Chance, die Klasse zu halten. Dafür muss er aber am Sonntag sein Spiel gegen MTV Köln (14 Uhr, Smit-Forum) gewinnen - und die Konkurrenz zugleich mitspielen. Die Voraussetzungen könnten besser sein.
Zwei Tage zuvor richtet sich der Fokus auf die erste Mannschaft. Mit der anstehenden Aufgabe heute beim Neusser HV (20 Uhr) erwartet die Leichlinger der eigentliche Favorit auf jene Position, auf der die "Pirates" derzeit stehen - die Tabellenspitze. Doch Neuss schaffte es entgegen der Erwartungen vor der Saison nicht, oben mitzumischen. Erst in der Rückrunde drehte die Mannschaft auf. Für Coach Lorenzet und auch Lajnef ist das Warnung genug.
"Die letzten Spiele sind für uns wie Pokalspiele. Wir wollen dem Rest der Liga zeigen, dass wir den schönsten Handball spielen und verdient da oben stehen", sagt der flinke Tunesier. Auch wenn er in dieser Saison nicht die meisten Spielanteile hatte, sieht er sich und auch die anderen Spieler auf der Bank als großen Bestandteil des Erfolgs an: "Nicht nur die Feldspieler sind Tabellenführer, sondern die gesamte Mannschaft."

Quelle: Rheinische Post
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Frank Lorenzet im Interview

Die Leichlinger Drittligahandballer stehen kurz vor dem großen Wurf. Die Mannschaft von Frank Lorenzet biegt drei Spieltage vor dem Saisonfinale als Tabellenführer auf die Zielgerade ein. Fünf weitere Pluspunkte würden Meisterschaft und im Normalfall auch den Aufstieg in die 2. Bundesliga bedeuten. Warum aus dem Westen aber kein Verein das Abenteuer 2. Bundesliga wagt, hat Lorenzet, der bei den Handballern des LTV Trainer und Manager in Personalunion ist, in einem Gespräch mit dem BV erläutert.

BV: Der LTV, Fredenbeck, Krefeld - egal wer am Ende der Saison die Nase vorne hat, einen Aufsteiger wird es aus der 3. Liga West nicht geben. Warum hat kein Verein eine Zweitligalizenz beantragt?

Ganz vorne auf der Liste der Gründe steht natürlich der Etat. Die Mannschaften, die in der eingleisigen 2. Bundesliga die unteren Tabellenränge bekleiden, haben meines Wissens momentan ungefähr 600.000 bis 700.000 Euro zur Verfügung. Clubs, die ganz oben mitmischen wollen, werfen auch schon einmal 2,5 bis 3 Millionen in den Ring. Davon sind wir in Leichlingen so weit entfernt wie die Erde von der Sonne. Den anderen Westvereinen geht es da ganz ähnlich.

BV: Aber ein Etat entscheidet nicht zwangsläufig über den Tabellenrang.

Natürlich gibt es immer mal Ausnahmen wo ein Verein mit kleinem Geld Großes leistet, aber die Schere zwischen den oberen Klassen ist seit der Ligareform (eingleisige 2. Liga und vier statt sechs dritte Ligen - Anm. d. R.) noch weiter auseinander gegangen. Aufsteiger sind deshalb sehr schnell wieder Absteiger, wenn sie die finanziellen Mittel nicht extrem aufstocken. Unsere drei Westvereine Ferndorf, Hagen und Dormagen, die zuletzt nach oben gegangen sind, stehen momentan auf den Plätzen 17, 19 und 20 und begegnen uns möglicherweise alle in der kommenden Saison in der dritten Liga wieder.

BV: Vereine aus dem Norden, Süden und Osten der Republik sind da deutlich erfolgreicher. Coburg, Aue und Wilhelmshaven haben sich oben etabliert. Auch in dieser Saison wird es aus diesen Regionen Aufsteiger geben. Woran liegt das?

BV: Das liegt hauptsächlich an der hohen Vereins- und Leistungsdichte in unserer Region. Im Umkreis von wenigen Kilometern gibt es Clubs aus der ersten, zweiten und dritten Liga, dazu zahlreiche Oberligisten und unzählige Verbandsligisten. Wir teilen uns hier Spieler, Zuschauer und nicht zuletzt auch Sponsoren. Da bleibt für den einzelnen weniger übrig als in Regionen, die auf gleicher Fläche nur eine oder zwei hochklassige Handballmannschaften zu bieten haben. Handballer haben in unseren Breiten die freie Auswahl und können deshalb gut um Gehälter pokern. Selbst Nachwuchstalente kehren für 50 Euro mehr im Monat ihrem Stammverein gerne mal den Rücken - womit wir wieder beim Thema Finanzen wären. 

Und auch die Rahmenbedingen sind in anderen Städten oft einfach besser. Wir spielen in einer Turnhalle der Stadt Leichlingen. Die aktuellen Tabellenführer der anderen dritten Ligen aus Dessau, Hüttenberg und Konstanz haben Multifunktionsarenen mit einem Zuschauerschnitt von weit über 1000. Ein großes Problem sind zudem die hier omnipotent präsenten Fußballvereine, die jede andere Sportart ersticken.

BV: Ist eine Handballmannschaft des LTV in der 2. Liga deshalb für immer unvorstellbar geworden?

Nein, vielleicht haben wir irgendwann den Sponsor oder die Ausnahmemannschaft, die uns den Sprung ermöglichen und vor allem realistisch erscheinen lassen. Momentan ist das für uns aber völlig utopisch. Wir wollen solide wirtschaften und werden nicht mit einer unüberlegten Aktion die gesamte Abteilung vor die Wand fahren. Mir als Sportler blutet bei einem freiwilligen Aufstiegsverzicht natürlich das Herz, der Verstand und die Verantwortung gegenüber dem Verein haben in diesem Fall aber eindeutig Vorrang.



Kommender Gegner: 

Heute (Anwurf 20 Uhr, Hammfeld , Neuss) tritt der LTV beim Neusser HV an. Der zu Beginn als Meisterschaftsfavorit Nummer Eins gehandelte NTV hat nach einem desolaten Saisonstart und dem zwischenzeitlichen Absturz auf den vorletzten Rang alle Meisterschaftträume früh begraben müssen. In der Rückrunde ist der Tabellensechste hinter dem LTV aber die erfolgreichste Mannschaft der Liga. Leichlingen konnte nach hartem Kampf das Hinspiel mit 32:27 gewinnen. Eine klare Favoritenrolle gibt es diesmal nicht.

Quelle: Bergischer Volksbote Burscheid
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"Wollen den Bock umstoßen"

„Wir wollen den Bock umstoßen und mit dem LTV endlich mal ein Spitzenteam der Liga schlagen. Wir sind alle hochmotiviert“, stellt Ceven Klatt, Trainer des Neusser HV, vor dem Drittliga-Topspiel seines Teams am Freitagabend (20 Uhr) in der heimischen Hammfeldhalle gegen den Leichlinger TV klar. Allerdings ist Klatt bewusst, dass mit dem Duell gegen den Spitzenreiter eine Herkulesaufgabe auf seine Schützlinge wartet: „Der LTV ist das offensivstärkste Team der Liga. Wir werden vor allem defensiv alles in die Waagschale werfen müssen, um die Angriffsmaschine zu stoppen.“
Das heißt: Vor allem der gebundene Defensivverbund sowie das Rückzugsverhalten nach Ballverlust werden auf Seiten des NHV gefragt sein. Sollten diese beiden Komponenten nicht funktionieren, droht erneut das, was in der zweiten Hälfte des Hinspiels passierte – da wurden die Neusser nach einer starken ersten Halbzeit inklusive 19:14-Führung nämlich förmlich überrollt und verloren am Ende doch noch klar mit 27:32. Doch Klatt ist davon überzeugt, dass sich dies am Freitagabend nicht wiederholen wird: „Dazu sind wir mittlerweile viel zu stabil in unseren Leistungen. Ich erwarte eine ganz enge Partie, bei der Kleinigkeiten entscheiden können.“
Genau diese Kleinigkeiten – zuletzt waren es zwei zu Unrecht nicht gegebene Strafwürfe in der Schlussphase – entschieden in der Vorwoche das Auswärtsspiel beim VfL Fredenbeck zu Ungunsten des NHV. „Das Gute ist, dass wir uns über das Zustandekommen der 26:27-Niederlage beim VfL gar nicht mehr lange ärgern konnten, weil nun schon am Freitag direkt das nächste Spitzenspiel ansteht – eben gegen Leichlingen“, sagt der NHV-Trainer, der gegen die Mannschaft von LTV-Trainer Frank Lorenzet wohl auf seinen kompletten Kader zurückgreifen kann: „Diesmal wollen wir uns am Ende unbedingt mit etwas Zählbarem belohnen – dazu werden wir auch die Unterstützung unserer Zuschauer brauchen.“

Quelle: nhv1.de

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